Enneagramm-Typ 6 - Der Loyale
Zwischen Vertrauen und Misstrauen hin- und hergerissen
Sechsen sind auf der Suche nach jemanden oder etwas, an den oder das sie glauben können. Dieses führt - in Kombination mit ihrem grundsätzlichen Argwohn - zu einem komplizierten Umgang mit Autoritäten. Die Seite in der Sechs, die Ausschau nach etwas hält, an das sie glauben kann, ist häufig sehr anfällig gegen die Versuchung, die Autorität auf eine äußere Instanz zu übertragen, sei es ein Individuum oder ein Credo. Aber die Neigung der Sechs zu Misstrauen und Argwohn arbeitet gegen jeden Glauben an Autoritäten. Im Enneatyp Sechs wirken also zwei entgegen gesetzte Kräfte und nehmen in den unterschiedlichen Individuen unterschiedlichen Raum ein - manchmal passiert dies auch in ein- und derselben Person.
Das wirklich verwirrende Element beim Herausfinden dieses Typs ist, dass Sechsen zwei völlig verschiedene Strategien im Umgang mit der Angst einsetzen: Manche Sechsen sind zutiefst phobisch. Phobische Sechsen sind im Allgemeinen konform, verbindlich und kooperativ. Andere Sechsen übernehmen die entgegen gesetzte Strategie im Umgang mit der Angst: Sie werden kontraphobisch, d.h., sie übernehmen im Wesentlichen eine widerständige Haltung gegen alles, was ihnen bedrohlich vorkommt. Das ist die Sechs, die die Rolle der Autorität übernimmt oder bei Gefahr für Leib und Leben den Draufgänger gibt. Kontraphobische Sechsen können aggressiv sein und - statt nach Autoritäten Ausschau zu halten - eine rebellische oder anti-autoritäre Haltung übernehmen. Kontraphobische Sechsen sind sich der Angst oft nicht bewusst, die ihre Handlungen motiviert. Tatsächlich tendieren Sechsen zur Blindheit gegenüber dem Ausmaß ihrer eigenen Ängste. Weil Sechsen immer wieder auf all ihre Gefühle zurückgeworfen werden, sind sie sich deren Existenz häufig nicht bewusst, weil sie nichts haben, gegen das sie es kontrastieren könnten.
Weil Sechsen häufig das Ausmaß ihrer eigenen Ängste verkennen, schätzen sie sich oft falsch ein. So kommt es häufig vor, dass sich männliche Sechsen für eine Zwei halten, insbesondere dann, wenn sie mit einer Helferrolle identifiziert sind. Aber Sechsen haben eine viel ambivalentere Haltung zu Beziehungen als Zweien, die im Allgemeinen sehr genau wissen, was sie wollen. Sechsen, die ihre Angst verkennen, können sich irrtümlich für eine Neun halten. Aber Neunen haben die Fähigkeit, sich zu entspannen und anderen zu vertrauen; beides ist nicht so sehr die Sache von Sechsen. Sechsen können sich irrtümlich als Vier typisieren, insbesondere, wenn sie eine künstlerische Ader haben, aber ihnen fehlt die Selbst-Versunkenheit der Vier. Sie können sich für Fünfen halten, besonders wenn sie intellektuell sind wie viele Sechsen - aber anders als Fünfen haben sie eine Neigung zum Praktischen. Schließlich können sich Sechsen leicht für eine Acht halten, aber ihnen fehlt die Selbstsicherheit der Acht.
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